CHG Rechtsanwälte vertritt bei einer Klage gegen die Stiftung Leopold
Mittwoch, 23. Juli 2008
Herausgabeklage bezüglich "Der Dengler" von Albin Egger-Lienz
Dr. Rudolf Leopold kaufte das Ing. Moric Pick entwendete Bild „Der Dengler“ im Jahr 1963 von Gottfried Österreicher. Dieser war – wie nun bekannt wurde – hochrangiger Nazi. Aufgrund neuer Tatsachen und neu erlangter Beweismittel brachte die Kanadierin Vera Gara eine Klage auf Wiederaufnahme des bereits abgeschlossenen Verfahrens gegen die Stiftung Leopold auf Herausgabe des Ölbildes „Der Dengler“ von Albin Egger-Lienz ein.
Bereits im Jahr 2000 klagte die Kanadierin Vera Gara die Stiftung Leopold auf Herausgabe des Bildes „Der Dengler“. Die Klage stützte sich darauf, dass ihrem Vater Moric Pick 1938 das Bild in Wien entzogen wurde. Der Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien wies die Klage ab, da nicht festgestellt werden konnte, „dass das dem Vater der Klägerin, Ing. Moric Pick, während der NS-Herrschaft entzogene Bild… ident ist mit dem Ölbild „Der Sensendengler“ von Albin Egger-Lienz“, welches sich in der Stiftung Leopold befindet. Diese Feststellung wurde zusammenfassend damit begründet, dass sich die Eigentümerkette des in der Stiftung Leopold befindlichen Ölbildes beim Voreigentümer Gottfried Österreicher verliere, einem Buch- und Kunsthändler, bei dem es Dr. Rudolf Leopold im Jahr 1963 erworben habe. Schließlich könne es auch sein, dass Moric Pick im Besitz einer Kaseinfassung des Bildes war, welche nunmehr verschollen ist. Dieses Urteil wurde letztendlich vom Obersten Gerichtshof bestätigt.
Aufgrund des Profil-Artikels der Ausgabe vom 23.06.2008 ist den Rechtsvertretern der Klägerin, der Kanzlei CHG Rechtsanwälte in Innsbruck bekannt geworden, dass Gottfried Österreicher hochrangiges SA-Mitglied war. Dr. Dietmar Czernich: „Im Zusammenhang mit der Aussage eines Zeugen im ersten Rechtsgang, wonach nach der Verhaftung des Moric Pick die Leute im Wohnhaus ein und ausgegangen und ‚freilich‘ auch Sachen aus der Wohnung mitgenommen haben, ist der Anscheinsbeweis erbracht: das Bild „Der Dengler“ wurde Moric Pick von den Nazis entzogen, gelangte schließlich zum hochrangigen SA-Mitglied Gottfried Österreicher, welcher es schließlich 1963 in seiner Wohnung in Krems an Dr. Leopold verkaufte. Das in der Stiftung Leopold befindliche Ölbild ist somit ident mit dem Moric Pick entzogenen Bild.“
Jetzt aufgetauchte weitere Schätzgutachten im Zusammenhang mit Vermögensverzeichnissen von Juden aus dem Jahr 1938 belegen, dass das Moric Pick entzogene und im Schätzgutachten vom 26.06.1938 mit RM 2.500 bewertete Bild „Der Dengler“ nur die Ölfassung sein kann,“ so Dr. Günther Gast, „und nicht etwa eine Kaseinfassung.“ Aus diesem Grund sieht CHG Rechtsanwälte gute Chancen, mit der Klage durchzudringen.
Vera Gara meint dazu: „Nach 75 Jahren wäre dies lange überfällig. Meine Eltern arbeiteten viel und hart für eine bessere Zukunft. Mein Vater starb jedoch im KZ Bergen-Belsen. Meine alleinerziehende Mutter musste in Ungarn bei Null ein neues Leben beginnen. Nach so langer Zeit wäre die Rückgabe des rechtmäßig mir zustehenden Bildes nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“
