ATLAS – Souveräne KI-Infrastruktur für sensible Unternehmensdaten
Künstliche Intelligenz eröffnet Unternehmen neue Möglichkeiten – von der Verarbeitung großer Wissensbestände bis zur Automatisierung komplexer Aufgaben. Gleichzeitig stellt sich immer dringlicher die Frage, wie KI eingesetzt werden kann, ohne dabei die Kontrolle über sensible Daten, bestehende Systeme und wichtige Unternehmensprozesse zu verlieren.
Genau hier setzt ATLAS an.
Im Rahmen des vom Land Tirol geförderten Leuchtturmprojekts entwickeln CHG Rechtsanwälte, MINDSTREAM GmbH, GHP Steuerberatung und die FH Kufstein Tirol gemeinsam eine Referenzarchitektur für den kontrollierten und souveränen Einsatz von KI in sensiblen Unternehmensumgebungen. CHG übernimmt dabei die Konsortialführung.
In den kommenden zwölf Monaten soll ein praxiserprobtes und wissenschaftlich validiertes Modell entstehen, das nicht auf einen einzelnen Anwendungsfall beschränkt ist, sondern auch von anderen Unternehmen genutzt werden kann.
KI nutzen und trotzdem die Kontrolle behalten
Die Entwicklung von KI schreitet schnell voran. Neue Modelle und Anwendungen kommen laufend hinzu, Anbieter verändern ihre Angebote und Unternehmen stehen vor der Entscheidung, welche Technologien sie einsetzen wollen.
Damit entstehen neben den Chancen auch neue Abhängigkeiten. Gerade bei sensiblen Unternehmensdaten ist entscheidend, wo Informationen verarbeitet werden, wer darauf zugreifen kann und wie sich die Nutzung von KI nachvollziehen lässt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie flexibel Unternehmen bei zukünftigen technologischen Entscheidungen bleiben.
Was passiert beispielsweise, wenn ein eingesetztes KI-Modell nicht mehr den eigenen Anforderungen entspricht? Oder wenn ein Unternehmen den Anbieter wechseln möchte?
ATLAS setzt deshalb auf eine Architektur, bei der Datenkontrolle, Nachvollziehbarkeit, Flexibilität und Exit-Fähigkeit von Anfang an mitgedacht werden.
Eine Steuerungsebene zwischen Daten und KI
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der ATLAS Control Layer. Er bildet eine Steuerungsebene zwischen bestehenden Unternehmensdaten, Fachanwendungen, Tools und unterschiedlichen KI-Modellen.
Dabei soll unter anderem festgelegt werden können, welche Daten für einen konkreten Anwendungsfall verwendet werden dürfen, welche Berechtigungen gelten und welches KI-Modell zum Einsatz kommt. Ein Audit-Trail sorgt für die notwendige Nachvollziehbarkeit. Über das Modell-Routing können unterschiedliche Modelle eingebunden und bei Bedarf ausgetauscht werden.
Damit verfolgt ATLAS einen einfachen Grundgedanken: Unternehmen sollen KI einsetzen können, ohne sich dauerhaft an ein bestimmtes Modell oder einen einzelnen Anbieter zu binden.
Auch die bestehende IT-Landschaft soll dabei möglichst erhalten bleiben. Die Architektur ist darauf ausgelegt, bestehende Systeme und Anwendungen einzubinden, anstatt Unternehmen zu einem vollständigen Umbau ihrer Infrastruktur zu zwingen.
Warum Rechts- und Steuerberatung als Pilotbereiche?
ATLAS wird bewusst dort erprobt, wo der Umgang mit vertraulichen Informationen besonders hohe Anforderungen stellt.
CHG bringt als Rechtsanwaltskanzlei die Perspektive eines Berufsgeheimnisträgers ein. Informationen, die im Rahmen der anwaltlichen Tätigkeit bekannt werden, unterliegen dem Berufsgeheimnis nach § 9 RAO.
Mit GHP Steuerberatung kommt ein zweites sensibles Berufsfeld hinzu. Auch Steuerberater unterliegen besonderen Verschwiegenheitsanforderungen nach § 80 WTBG.
Beide Bereiche eignen sich deshalb besonders gut, um die entwickelte Architektur unter anspruchsvollen Bedingungen zu testen. Ein Rollen- und Berechtigungskonzept inklusive Datenklassifikation soll dabei helfen, unterschiedliche Schutzbedarfe abzubilden.
Die Idee dahinter ist auch die Übertragbarkeit: Wenn sich eine Architektur in Umgebungen bewährt, in denen besonders vertrauliche Informationen verarbeitet werden, kann sie eine gute Grundlage für zahlreiche weitere Branchen bilden.
Vier Tiroler Partner bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen
Dass ATLAS von vier unterschiedlichen Partnern getragen wird, ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Rechtliche, technische, praktische und wissenschaftliche Anforderungen sollen von Beginn an gemeinsam betrachtet werden.
CHG Rechtsanwälte übernimmt die Konsortialführung und bringt die rechtliche Expertise insbesondere in den Bereichen IT-Recht, Datenschutz und KI-Governance ein. Die rechtlichen Anforderungen werden dabei nicht nachträglich auf eine fertige technische Lösung angewendet, sondern fließen bereits in deren Entwicklung ein.
MINDSTREAM GmbH ist für die technische Umsetzung verantwortlich. Das Unternehmen bringt Erfahrung unter anderem in den Bereichen Control Layer, MCP-Wissensschicht, RAG und Konnektoren ein und kann dabei auf bestehende technologische Grundlagen zurückgreifen.
GHP Steuerberatung übernimmt eine wichtige Rolle bei Pilotierung und Transfer. Die entwickelte Architektur wird anhand konkreter Use Cases in einer realen, sensiblen Unternehmensumgebung erprobt.
Die FH Kufstein Tirol übernimmt die wissenschaftliche Validierung und unterstützt den Wissenstransfer. Vorgesehen ist unter anderem eine C3A-Souveränitätsbewertung. Die Ergebnisse sollen außerdem in Forschung und Lehre einfließen und damit auch langfristig am Standort verfügbar bleiben.
Vom Prototyp zur offenen Referenzarchitektur
Das Projekt soll nicht mit einem Prototypen enden, der ausschließlich bei den beteiligten Partnern eingesetzt werden kann.
Geplant sind konkrete Ergebnisse, die auch für andere Unternehmen nutzbar sein sollen:
- ein lauffähiger Prototyp, der bei CHG und GHP anhand konkreter Use Cases in produktiver Umgebung erprobt wird,
- der ATLAS Control Layer mit Audit-Trail und Modell-Routing,
- ein Rollen- und Berechtigungskonzept inklusive Datenklassifikation für sensible Umgebungen,
- ein wissenschaftlich fundierter C3A-Validierungsbericht,
- ein Architektur-Blueprint und Whitepaper als offene und nachnutzbare Grundlage,
- sowie eine öffentliche Projektwebsite und Workshops für den weiteren Wissenstransfer.
Der Architektur-Blueprint soll als Open-Source-Transfermodell zur Verfügung gestellt werden. Unternehmen müssen damit nicht selbst bei null beginnen, sondern können auf den Erfahrungen und Ergebnissen des Projekts aufbauen.
Ein Modell für den Tiroler Mittelstand
Der Nutzen von ATLAS soll über die unmittelbaren Projektpartner hinausreichen. Denn die Frage nach einem sicheren Umgang mit KI betrifft längst nicht mehr nur große Technologieunternehmen.
Industrieunternehmen, IT-Dienstleister, Tourismusbetriebe, Beratungsunternehmen, Gesundheitseinrichtungen oder Familienunternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Sie wollen KI einsetzen und von den neuen Möglichkeiten profitieren, verfügen aber gleichzeitig über bestehende Systeme, gewachsene Prozesse und teilweise hochsensible Daten.
ATLAS soll einen Weg aufzeigen, wie sich diese bestehenden Strukturen mit neuen KI-Anwendungen verbinden lassen, ohne dabei die Kontrolle über Daten und Prozesse aufzugeben.
Der Förderwert des Projekts liegt deshalb vor allem im Transfer eines validierten Modells in den Tiroler Mittelstand. Die Erkenntnisse sollen nicht bei den Projektpartnern bleiben, sondern über die vorgesehenen Transferformate möglichst vielen Unternehmen zugänglich gemacht werden.
Digitale Souveränität als Standortfrage
Digitale Souveränität wird damit zu einer Frage, die weit über einzelne technische Entscheidungen hinausgeht.
Für Unternehmen bedeutet sie unter anderem, zu wissen, was mit den eigenen Daten geschieht, welche Technologien eingesetzt werden und welche Abhängigkeiten daraus entstehen. Sie bedeutet aber auch, bei technologischen Veränderungen handlungsfähig zu bleiben.
ATLAS soll hierfür ein konkretes, in der Praxis erprobtes Modell entwickeln. Die Verbindung aus rechtlicher Expertise, technischer Umsetzung, praktischer Anwendung und wissenschaftlicher Validierung schafft die Grundlage dafür, dass die Ergebnisse auch auf andere Unternehmensbereiche übertragen werden können.
Gleichzeitig soll das Projekt einen Beitrag dazu leisten, Wissen und Kompetenz am Standort Tirol aufzubauen und weiterzugeben. Über die FH Kufstein Tirol fließen die Erkenntnisse auch in Lehre und Forschung ein. Über Blueprint, Whitepaper, Workshops und die öffentliche Projektwebsite werden sie für Unternehmen und die interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
ATLAS: Souveräne KI-Nutzung aus Tirol
ATLAS steht damit für einen Ansatz, bei dem technologische Innovation und unternehmerische Kontrolle zusammen gedacht werden.
Das Projekt soll zeigen, wie Unternehmen KI nutzen können, ohne ihre Datenhoheit und ihre Entscheidungsfreiheit aufzugeben – und wie eine technische Architektur aussehen kann, die auch mit der weiteren Entwicklung der KI-Landschaft Schritt hält.
Aus einem gemeinsamen Tiroler Projekt von Recht, Technik, Praxis und Wissenschaft soll so ein Modell entstehen, das über die beteiligten Partner hinaus genutzt werden kann.
Digitale Souveränität wird damit nicht nur untersucht, sondern praktisch erprobt und für andere Unternehmen nutzbar gemacht.
Kontakt:
RA Mag. Clemens Handl, LL.M.: handl@chg.at
Rechtsanwalt und Leiter der Praxisgruppe data & technology
CHG Czernich Haidlen Gast & Partner Rechtsanwälte
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